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    <title>Politikerkorruption (Rubrik:Lobbyismus)</title>
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    <dc:publisher>Gobsch</dc:publisher>
    <dc:creator>Gobsch (mailto:&amp;#104;&amp;#101;&amp;#108;&amp;#109;&amp;#117;&amp;#116;&amp;#64;&amp;#103;&amp;#111;&amp;#98;&amp;#115;&amp;#99;&amp;#104;&amp;#46;&amp;#100;&amp;#101;)</dc:creator>
    <dc:date>2005-02-12T19:45:44Z</dc:date>
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    <title>Politikerkorruption</title>
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  <item rdf:about="http://politikerkoruption.twoday.net/stories/518828/">
    <title>Lobbyismus</title> 
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    <description>&lt;font color=red size=3&gt;&lt;b&gt;lobbyismus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geld f&amp;uuml;r gute Worte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehaltszahlungen, Einladungen und sanfter Druck: Unternehmen aller Branchen &amp;uuml;ben die f&amp;uuml;rsorgliche Belagerung von Politikern und Beamten &amp;#8211; und formulieren die Gesetze mit&lt;/b&gt;&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von G&amp;ouml;tz Hamann			&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein ruhiger Ort, fernab des politischen Geschehens. Die Lampen h&amp;auml;ngen tief &amp;uuml;ber den groben Holztischen, und die Latte Macchiato hei&amp;szlig;t auf der Speisekarte noch Milchkaffee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur hier mag einer von weltweit 320000 Mitarbeitern der Volkswagen AG in diesen Tagen &amp;uuml;ber die Lobbyarbeit des Konzerns reden. Er ist keiner vom Band, sondern ein Mann, der wei&amp;szlig;, wie die &amp;raquo;Abteilung Regierungsbeziehungen&amp;laquo; bei VW arbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit er selbst ruhig bleibt, maltr&amp;auml;tiert er ein St&amp;uuml;ck Aluminiumpapier. Er faltet es auf. Und zu. Und auf. Und l&amp;auml;ngs. Und quer. Dieser Mann leidet unter der Aff&amp;auml;re. Seinen Namen verschweigt er lieber, denn der Konzern mauert und gibt Informationen nur in arg verd&amp;uuml;nnter Form heraus, seit die ersten Ger&amp;uuml;chte um Zahlungen an Landtags- und Bundestagsabgeordnete kursieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aff&amp;auml;re schade der eigentlichen, der wahren politischen Arbeit, sagt der VW-Mann. Betriebsr&amp;auml;te wie Hans-J&amp;uuml;rgen Uhl (SPD) &amp;raquo;muss man nicht bestechen, damit sie die Interessen von VW im Bundestag vertreten&amp;laquo;. Und &amp;uuml;berhaupt: Gro&amp;szlig;en Einfluss garantiere dem Konzern vor allem seine &amp;raquo;N&amp;auml;he zum Kanzler und die Offenheit von Ministerialbeamten, wenn wir Zahlen liefern, Argumente vortragen oder Vorschl&amp;auml;ge f&amp;uuml;r Gesetzestexte machen&amp;laquo;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Regierungsapparat zu beeinflussen und damit ein ganzes Land zu ver&amp;auml;ndern ist ein stilles Gesch&amp;auml;ft. Eines, bei dem die Beteiligten versuchen, unter der Wahrnehmungsschwelle einer breiten &amp;Ouml;ffentlichkeit zu bleiben. Doch seit drei Bundestagsabgeordnete &amp;#8211; Hermann-Josef Arentz, Laurenz Meyer (beide CDU) und Jann-Peter Janssen (SPD) &amp;#8211; zur&amp;uuml;cktreten mussten, weil sie Geld vom Energiekonzern RWE oder von VW bekommen hatten, h&amp;ouml;ren die Fragen nicht auf: Wen finanziert die Wirtschaft, wen schmiert sie? Wie beeinflusst sie Parlament und Regierung? Wer h&amp;ouml;rt auf sie, weil er will? Wer, weil er muss?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
DaimlerChrysler und BASF, Deutsche Bahn und Siemens &amp;#8211; alle haben sie Mitarbeiter nach Berlin entsandt, Grundst&amp;uuml;cke gekauft und &amp;uuml;ppige Repr&amp;auml;sentanzen gebaut oder wenigstens ein paar Zimmerfluchten gemietet. Von dort aus entfalten sie eine Wirkung, die kaum gr&amp;ouml;&amp;szlig;er w&amp;auml;re, wenn sie mit in der rot-gr&amp;uuml;nen Regierungskoalition s&amp;auml;&amp;szlig;en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;raquo;Seit Jahren ist festzustellen, dass Politiker die N&amp;auml;he von Unternehmen geradezu suchen&amp;laquo;, sagt Michael Greven, Politikprofessor an der Hamburger Universit&amp;auml;t und Autor vieler Aufs&amp;auml;tze &amp;uuml;ber den Wandel der deutschen Demokratie. &amp;raquo;Ursache ist ein stetig steigender Druck, neue Regeln zu schaffen. Mal erzwingt sie eine kleine Interessengruppe, mal erfordert es der technische Fortschritt, dann wieder die zunehmende Globalisierung &amp;#8211; und &amp;uuml;berall wachsen die Haftungsrisiken. Das Wissen, wie man diesem Ansturm widerstehen kann, vermuten Politiker und Ministerialbeamte zusehends bei Unternehmen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kommt keine EU-Richtlinie und kaum ein deutsches Gesetz ohne die Mitwirkung von Lobbyisten zustande. Das gilt f&amp;uuml;r die Chemie-Richtlinie Reach, die ein Zulassungssystem f&amp;uuml;r Tausende von Stoffen regelt, genauso wie f&amp;uuml;r das Gesetz zu erneuerbaren Energien oder die steuerliche F&amp;ouml;rderung des Dieselru&amp;szlig;filters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Einflussnahme in Berlin beginnt im Regierungsalltag. Dort tragen Lobbyisten ihre Ideen und Argumente als Erstes den Ministerialbeamten vor, weil diese den Entwurf f&amp;uuml;r ein k&amp;uuml;nftiges Gesetz schreiben. &amp;raquo;Die Informationsgrundlage, auf der in den Ministerien ein Gesetz entsteht, ist heute st&amp;auml;rker von der Wirtschaft oder einzelnen Unternehmen gepr&amp;auml;gt als vor 30 Jahren&amp;laquo;, sagt Bernd Pfaffenbach, der beamteter Staatssekret&amp;auml;r im Bundeswirtschaftsministerium ist und zuvor die Abteilung Wirtschafts- und Finanzpolitik im Bundeskanzleramt leitete. Etwas anderes gelte f&amp;uuml;r den Austausch zwischen Bundeskanzler und Industrie. &amp;raquo;Dort hat sich praktisch nichts ver&amp;auml;ndert&amp;laquo;, sagt Pfaffenbach. Er muss es wissen, war er doch schon in der Regierungszeit von Helmut Kohl der zentrale Ansprechpartner f&amp;uuml;r die Unternehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie nah die Konzerne derweil an den Bundestag heranger&amp;uuml;ckt sind, f&amp;auml;llt im Stadtbild erst einmal kaum auf. Oder welcher normale Berlin-Tourist w&amp;uuml;sste, dass die alte Prachtstra&amp;szlig;e Unter den Linden inzwischen viel treffender &amp;raquo;Unter den Lobbyisten&amp;laquo; hie&amp;szlig;e? An ihrem einen Ende, am Brandenburger Tor, residiert DaimlerChrysler, dazu die Dresdner Bank, die Allianz und gegen&amp;uuml;ber der Mineral&amp;ouml;lkonzern BP. Wenige hundert Meter weiter folgen BMW, E.on, Volkswagen und der Touristikkonzern TUI &amp;#8211; bis schlie&amp;szlig;lich am anderen Ende der Stra&amp;szlig;e der Medienkonzern Bertelsmann hinter einer schneewei&amp;szlig;en Fassade seinen politischen Gesch&amp;auml;ften nachgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Neben- und Seitenstra&amp;szlig;en der Berliner Mitte haben sich die modernen Z&amp;uuml;nfte, vom Verband der Elektrizit&amp;auml;tswirtschaft bis zur Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverb&amp;auml;nde, eingerichtet. Es sind mehrere hundert. Dazu kommen etwa 40 freischaffende Agenturen, die fallweise angeheuert werden, wenn es gilt, die Interessen eines Unternehmens noch wirkungsvoller durchzusetzen. Und gerne helfen auch die ungef&amp;auml;hr 40 Anwaltskanzleien, die sich darauf spezialisiert haben, Gesetzestexte zu formulieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ins Gespr&amp;auml;ch zu kommen, l&amp;auml;dt ein Politikberater wie Hans-Hermann Tiedje schon mal Journalisten auf ein Mittagessen ins Restaurant Borchardt zu thail&amp;auml;ndischer Suppe und Wiener Schnitzel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Microsoft lie&amp;szlig; den evangelischen Bischof von Berlin, Wolfgang Huber, mit dem Zukunftsforscher Matthias Horx im Museum f&amp;uuml;r Kommunikation diskutieren. Hinterher gab es f&amp;uuml;r die Mitarbeiter des Software-Konzerns Gelegenheit genug, mit den ausgesuchten G&amp;auml;sten ein wenig zu plauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bertelsmann AG l&amp;auml;dt in ihre Repr&amp;auml;sentanz und l&amp;auml;sst Besucher auf ausladenden Sofas Platz nehmen, in denen sich selbst H&amp;uuml;nen klein vork&amp;auml;men. So sp&amp;uuml;rt der Gast die ganze Macht der Organisation am eigenen Leib.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was der anonyme VW-Insider &amp;uuml;ber den Lobbyismus in Berlin nicht erz&amp;auml;hlt: Nat&amp;uuml;rlich werden in diesem Gesch&amp;auml;ft nicht blo&amp;szlig; Informationen ausgetauscht. Konzerne und Verb&amp;auml;nde &amp;uuml;ben sehr wohl Druck auf Politiker aus, wenn sie es k&amp;ouml;nnen und es n&amp;uuml;tzlich erscheint. Fast nie spielt Geld eine Rolle, fast immer einige hundert oder tausend Arbeitspl&amp;auml;tze. Wie viele Jobs in einem Wahlkreis beispielsweise an VW h&amp;auml;ngen, daran werden Abgeordnete vor wichtigen Entscheidungen schon mal unsanft erinnert. Letztlich ist davor nicht einmal Bundesfinanzminister Hans Eichel gefeit. Er war von 1975 bis 1991 Oberb&amp;uuml;rgermeister von Kassel und wird von der dortigen SPD auch heute noch als einer der Ihren betrachtet. Insofern wei&amp;szlig; Eichel ganz genau, was es bedeutet, dass in der 200000-Einwohner-Stadt Kassel mehr als 15000 Menschen ihr Geld bei VW verdienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als besonders gut organisiert gilt die Pharmalobby &amp;#8211; und als besonders dreist. Mal argumentiert sie, eine Reform tr&amp;auml;fe die Patienten, mal droht sie mit Arbeitsplatzabbau. Als einen ihrer gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Erfolge verbuchen die Arzneimittelhersteller, dass es ihnen mehrfach gelungen ist, eine so genannte Positivliste zu verhindern. Schon der fr&amp;uuml;here Gesundheitsminister Horst Seehofer wollte sie Ende der neunziger Jahre durchsetzen. Krankenkassen sollten nur noch solche Medikamente bezahlen, deren besonderer Nutzen auch wirklich erwiesen ist. Doch das Vorhaben scheiterte in jener Zeit am SPD-beherrschten Bundesrat und dem Veto der damaligen Ministerpr&amp;auml;sidenten Wolfgang Clement, Hans Eichel und Gerhard Schr&amp;ouml;der. Ein Zufall? In den von ihnen regierten Bundesl&amp;auml;ndern liegen die Zentralen der Bayer AG (NRW), der Merck KGaA und fr&amp;uuml;her der Hoechst AG (Hessen) sowie die deutsche Niederlassung des britischen Konzerns Wellcome (Niedersachsen). Der damalige Staatssekret&amp;auml;r im Gesundheitsministerium, Baldur Wagner, &amp;uuml;berreichte dem Hauptgesch&amp;auml;ftsf&amp;uuml;hrer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie, Horst-R&amp;uuml;diger Vogel, sp&amp;auml;ter &amp;ouml;ffentlich ein geschreddertes Exemplar der Positivliste in einer Klarsichth&amp;uuml;lle &amp;#8211; als Geburtstagsgeschenk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 2002 und 2003 startete die jetzige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt einen weiteren Versuch. Von den mehr als 40000 zugelassenen Arzneimitteln sollten die Kassen k&amp;uuml;nftig nur noch die H&amp;auml;lfte akzeptieren. Doch w&amp;auml;hrend sich die parteipolitische Rollenverteilung inzwischen ge&amp;auml;ndert hatte, blieb der Einfluss der Pharmakonzerne gleich. Dieses Mal gab Roland Koch f&amp;uuml;r die Unionsvertreter in der Allparteien-Verhandlungsrunde die Parole aus: &amp;raquo;Die Liste muss weg.&amp;laquo;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schmidt war der Druck von der Unionsseite indes gar nicht so unrecht: Auch bei ihr hatten schon rund f&amp;uuml;nfzig SPD-Abgeordnete interveniert, denen wiederum Pharmavertreter mit dem Abbau von Arbeitspl&amp;auml;tzen im Wahlkreis gedroht hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neue W&amp;uuml;nsche tragen die Pharmachefs dem Bundeskanzler auch gerne direkt vor. Am kommenden Montag soll es wieder eines der allgemein als &amp;raquo;Bordeaux-Runde&amp;laquo; bezeichneten Treffen geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob solche Ereignisse der Demokratie schaden, daf&amp;uuml;r sei dreierlei entscheidend, sagt Politikprofessor Michael Greven: &amp;raquo;Erstens muss die Entscheidungsverantwortung weiter eindeutig bei den Politikern liegen.&amp;laquo; Nat&amp;uuml;rlich sei ein Abgeordneter den Unternehmen in seinem Wahlkreis verpflichtet, aber zweitens &amp;raquo;muss es auch mit wenig Ressourcen gelingen k&amp;ouml;nnen, sich Geh&amp;ouml;r zu verschaffen. Zumindest f&amp;uuml;r den Berliner Regierungsalltag habe ich da meine Zweifel. Da ist die Organisationsmacht der Konzerne und Verb&amp;auml;nde doch ziemlich &amp;uuml;berw&amp;auml;ltigend.&amp;laquo; Und drittens sei Lobbying nur akzeptabel, wenn es &amp;raquo;absolut transparent zugeht&amp;laquo;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Miteinander von Politik und Wirtschaft hat Tradition, vor allem an der Spitze. Heute geht VW-Chef Bernd Pischetsrieder beim Bundeskanzler ein und aus. Doch er ist wahrlich nicht der erste Manager, der dieses Privileg genie&amp;szlig;t: Der erste in der Bundesrepublik hie&amp;szlig; Hermann Josef Abs. F&amp;uuml;r die f&amp;uuml;nfziger Jahre verzeichnet die Besucherkartei des Kanzleramts viele Dutzend Besuche des Bankiers und sp&amp;auml;teren Vorstandschefs der Deutschen Bank bei Konrad Adenauer. Seither pflegte jeder Bundeskanzler seine Vorlieben, und h&amp;auml;tte Edmund Stoiber vor zwei Jahren die Wahl gewonnen, dann bes&amp;auml;&amp;szlig;e wohl nicht VW, sondern BMW die besten Verbindungen nach Berlin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Gerhard Schr&amp;ouml;der und dem VW-Vorstand herrscht gleichwohl eine besonders tiefe Verbundenheit, eine, die &amp;uuml;ber das &amp;uuml;bliche Ma&amp;szlig; hinausgeht. Vor allem mit dem fr&amp;uuml;heren Vorstandschef Ferdinand Pi&amp;euml;ch, mit dem er sich unter anderem beim World Economic Forum in Davos zeigte, teilt der SPD-Politiker die Erkenntnis: Das Wohl des anderen liegt im eigenen Interesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begonnen hat es in der Zeit, als Gerhard Schr&amp;ouml;der Ministerpr&amp;auml;sident von Niedersachen war. Der VW-Konzern bezahlt in diesem Bundesland nicht nur seine Steuern, weil die Zentrale in Wolfsburg liegt, sondern er besch&amp;auml;ftigt &amp;#8211; von der Leine bis zur Nordsee &amp;#8211; auch etwa 80000 Menschen, ganz zu schweigen von all den B&amp;auml;ckern, Fleischern und Gem&amp;uuml;seh&amp;auml;ndlern, bei denen VW-Mitarbeiter einkaufen. Solange es dem Unternehmen gut geht, kann es dem Land nicht wirklich schlecht gehen, lautet die von Ministerpr&amp;auml;sident zu Ministerpr&amp;auml;sident &amp;uuml;berlieferte Weisheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgekehrt profitiert der Konzernvorstand immens vom Land. Ausgangspunkt ist ein altes Gesetz, dass den Konzern vor einer feindlichen &amp;Uuml;bernahme sch&amp;uuml;tzt: das so genannte VW-Gesetz aus dem Jahr 1960. Es begrenzt den Einfluss eines jeden Aktion&amp;auml;rs auf maximal 20 Prozent der Stimmrechte. Mit all seiner politischen Macht hat Schr&amp;ouml;der dieses Gesetz gegen Angriffe aus der EU-Kommission verteidigt. In Br&amp;uuml;ssel h&amp;auml;lt man es seit langem f&amp;uuml;r wettbewerbswidrig, doch solange es besteht, kann der VW-Vorstand ohne gro&amp;szlig;e Sorge seiner Arbeit nachgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch gr&amp;ouml;&amp;szlig;er wird der Schutzwall dadurch, dass Niedersachsen mit rund 18 Prozent gr&amp;ouml;&amp;szlig;ter Einzelaktion&amp;auml;r von VW ist. Gegen die Stimme des Ministerpr&amp;auml;sidenten, der auch im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt, geht nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als Gerhard Schr&amp;ouml;der von Hannover nach Berlin wechselte, konnte er sich weiter auf den VW-Vorstand verlassen. Mehr als alle anderen DAX-Konzerne k&amp;auml;mpft VW darum, hierzulande Industrie-Arbeitspl&amp;auml;tze zu erhalten. Wenn die Bundesregierung etwa &amp;uuml;ber die Zukunft der Arbeit debattiert, zeigt VW mit seinem Modell &amp;raquo;5000 mal 5000&amp;laquo; einen Weg. Der Familienvan Touran wird zwar zu Bedingungen hergestellt, die schlechter sind als die des VW-Tarifvertrags. Daf&amp;uuml;r nahm der Konzern aber mehrere hundert Langzeitarbeitslose auf und bildete sie aus. Als der Kanzler schlie&amp;szlig;lich einen Umbau des Sozialstaats versuchte, fragte er nicht einen Strategen aus seiner Partei, sondern den VW-Personalvorstand Peter Hartz, dessen Name inzwischen zum Synonym f&amp;uuml;r die vielleicht gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Reform in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles beruht auf Geben und Nehmen. Und wie Konzerne versuchen zu nehmen, ist vielleicht am eindrucksvollsten an dem Versuch der Autoindustrie zu erkennen, die Einf&amp;uuml;hrung des Ru&amp;szlig;filters f&amp;uuml;r Diesel-Pkw und dessen steuerliche F&amp;ouml;rderung zu verhindern. Es sieht zun&amp;auml;chst wie eine banale, technische Kleinigkeit aus, ist aber weitaus mehr: Viele hundertausend VW, Audi- und DaimlerChrysler-Modelle werden mit Dieselmotor verkauft. Deshalb stand f&amp;uuml;r die Hersteller bei dieser Frage ein Milliardenbetrag auf dem Spiel. Und gerade weil es um so viel ging, lie&amp;szlig; dieser Fall alle Facetten des Lobbyismus an die Oberfl&amp;auml;che treten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ma&amp;szlig;geblich daran beteiligt war VW, was auch mit dem politischen Vorarbeiter des Konzerns zu tun hat &amp;#8211; Reinhold Kopp. Kopp leitet die Abteilung Regierungsbeziehungen von VW und kam auf Empfehlung von Peter Hartz 1998 auf diesen Posten. Jahre fr&amp;uuml;her war er Chef der Staatskanzlei und SPD-Wirtschaftsminister im Saarland unter Oskar Lafontaine, daher kannte er die SPD in- und auswendig. So verwundert es nicht, dass Kopp in Berlin innerhalb von kurzer Zeit als einflussreich galt und als jemand, der sehr hartn&amp;auml;ckig sein konnte, wenn es galt, f&amp;uuml;r ein Konzerninteresse zu werben. &amp;raquo;Er lie&amp;szlig; sich durch nichts abringen. Hat sich nie bewegt. Ihn f&amp;uuml;r Umweltziele zu gewinnen war ein vergeblicher Versuch&amp;laquo;, erinnert sich J&amp;uuml;rgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe an seine Auseinandersetzungen mit Kopp um den Ru&amp;szlig;partikelfilter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorausgegangen war eine strategische Entscheidung des Konzerns am Ende der neunziger Jahre. Statt Ru&amp;szlig; herauszufiltern, wollte VW einen ru&amp;szlig;armen Motor entwickeln. Doch das brauchte Jahre, w&amp;auml;hrend deren der franz&amp;ouml;sische Automobilhersteller Peugeot zumindest ank&amp;uuml;ndigte, alle seine Modelle schnell und serienm&amp;auml;&amp;szlig;ig mit einem Filter auszustatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig hatte sich VW mit anderen Herstellern zusammengetan, um sich zu wehren. Vor allem ging es um eine Idee von Renault, aufgenommen von Bundesumweltminister J&amp;uuml;rgen Trittin, eine EU-Richtlinie zu erwirken, die sehr niedrige Abgaswerte f&amp;uuml;r Diesel-Pkw vorschreiben sollte. Auf absehbare Zeit war dieses Ziel nur mit einem Filter zu erreichen &amp;#8211; also mit der technischen L&amp;ouml;sung, die deutsche Hersteller ausdr&amp;uuml;cklich ablehnten. Deshalb schrieb Bernd Gottschalk, Pr&amp;auml;sident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Anfang 2003 einen Brief: &amp;raquo;Sehr geehrter Herr Bundeskanzler&amp;#8230;&amp;laquo; Der Vorschlag des Umweltministers sei &amp;raquo;in der vorliegenden Form inakzeptabel&amp;laquo;. Damit &amp;raquo;w&amp;uuml;rde die Wettbewerbsposition unserer Industrie in einem entscheidenden Bereich geschw&amp;auml;cht&amp;laquo;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Staatssekret&amp;auml;r Bernd Pfaffenbach sagt, der Dieselru&amp;szlig;filter sei eigentlich ein typischer Fall f&amp;uuml;r das Miteinander von Wirtschaft und Politik. &amp;raquo;Wir haben die Entwicklung im Kanzleramt zun&amp;auml;chst beobachtet. Sie m&amp;uuml;ssen sehen: Unser Interesse ist es, zu schauen, was der deutschen Volkswirtschaft und der Gesellschaft nutzt.&amp;laquo; Im Fall des Ru&amp;szlig;filters habe man sich mit den Automobilherstellern zusammengesetzt und sich entschieden: &amp;raquo;Unser Entgegenkommen beschr&amp;auml;nkt sich darauf, zu verhindern, dass Investitionen in ru&amp;szlig;arme Motoren entwertet werden.&amp;laquo; Die Entscheidung f&amp;uuml;r oder gegen den Ru&amp;szlig;filter musste in Br&amp;uuml;ssel fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Br&amp;uuml;ssel ist &amp;raquo;das Mekka des Lobbyismus&amp;laquo;, wie der franz&amp;ouml;sische Figaro schrieb, und z&amp;auml;hlt derzeit rund 15000 Interessenvertreter. Allein im Europ&amp;auml;ischen Parlament lie&amp;szlig;en sich fast 5000 registrieren, das sind rund f&amp;uuml;nf Lobbyisten pro Abgeordneten. Zur Belohnung gibt es einen Hausausweis, der die Eingangskontrollen abk&amp;uuml;rzt. Wo 100 Milliarden Euro zu verteilen sind, vor allem aber wo Regeln und Gesetze f&amp;uuml;r rund 450 Millionen Menschen, f&amp;uuml;r Unternehmer wie Verbraucher, f&amp;uuml;r Anbieter wie Kunden geschrieben werden, m&amp;uuml;ssen Konzerne ihre Interessen vortragen. Etwa 70 Prozent der nationalen Gesetze werden von Br&amp;uuml;ssel mitgepr&amp;auml;gt, ja erzwungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Interessenvertreter sitzen hinter anonymen Glasfassaden im Quartier Europ&amp;eacute;en, stets in Sichtweite der europ&amp;auml;ischen Institutionen. Die Avenue Cortenbergh etwa reiht wie an einer Perlenschnur den Energiekonzern E.on (Haus Nummer 60), die US-Handelskammer (Nummer 118) oder den Arbeitgeberverband Unice (Nummer 168) auf. Lauter gerade Hausnummern also, und das ist kein Zufall. Denn die ungerade Nummer 107 vis &amp;agrave; vis markiert den Sitz der Generaldirektion Binnenmarkt, in der Europ&amp;auml;ischen Kommission neben den Wettbewerbsh&amp;uuml;tern und der f&amp;uuml;r die Landwirtschaft zust&amp;auml;ndigen Generaldirektion die vielleicht m&amp;auml;chtigste Institution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Fall des Ru&amp;szlig;filters k&amp;auml;mpfte eine m&amp;auml;chtige Lobby gegen eine andere. Und sp&amp;auml;testens im vergangenen Sommer wurde dann klar, warum die deutsche Autoindustrie nicht auf nationale Hilfe vertrauen kann. W&amp;auml;hrend die Hersteller Fiat und Peugeot, gest&amp;uuml;tzt auf ihre Regierungen und angefeuert von den Umweltverb&amp;auml;nden, die von ihnen gew&amp;uuml;nschte EU-Richtlinie fordern, ringt die rot-gr&amp;uuml;ne Koalition noch um eine passende Haltung. Die gr&amp;uuml;ne Bundestagsfraktion entscheidet sich bereits im Mai f&amp;uuml;r niedrige Abgaswerte und mithin f&amp;uuml;r den Ru&amp;szlig;filter, doch die SPD zuckt zur&amp;uuml;ck. Hat dazu beigetragen, dass der Parteivorsitzende Franz M&amp;uuml;ntefering einen Brief von VW-Chef Pischetsrieder bekommt? Vier Wochen ist Ruhe. Dann geht es schnell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Juli: Bernd Pischetsrieder hat gemeinsam mit den Chefs von Fiat, Volvo und Renault einen Termin beim damaligen Pr&amp;auml;sidenten der EU-Kommission, Romano Prodi. Die Deutschen k&amp;ouml;nnen sich mit ihren Interessen nur teilweise durchsetzen. Bald darauf wird die EU beschlie&amp;szlig;en, die Abgasnorm Euro5 einzuf&amp;uuml;hren. Immerhin wird die &amp;Uuml;bergangszeit bis zum Jahr 2010 dauern, erst danach sollen nur noch Diesel-Pkw zugelassen werden, die praktisch keinen Ru&amp;szlig; mehr aussto&amp;szlig;en.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Juli: Auf einem Autogipfel mit VW-Chef und Bundeskanzler reden die Beteiligten &amp;uuml;ber eine L&amp;ouml;sung f&amp;uuml;r den deutschen Markt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
9. Juli: Kurz nach dem Kanzlergipfel beschlie&amp;szlig;t die SPD-Fraktion doch noch, dass sie niedrige Ru&amp;szlig;werte f&amp;uuml;r Diesel bef&amp;uuml;rwortet &amp;#8211; ein weiterer R&amp;uuml;ckschlag f&amp;uuml;r VW.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. Juli: Gerhard Schr&amp;ouml;der trifft noch einmal auf Vertreter der Automobilindustrie in Stuttgart, die nun ausf&amp;uuml;hren, dass sie vom Jahr 2008 an alle Dieselautos mit Ru&amp;szlig;filtern ausr&amp;uuml;sten werden. Gibt die Industrie tats&amp;auml;chlich klein bei?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte ist damit nicht zu Ende. J&amp;uuml;rgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe sagt, er habe Hinweise, dass ein Gesetzentwurf zur steuerlichen F&amp;ouml;rderung auf der Beamtenebene in Berlin verhindert werde. Die deutschen Automobilhersteller brauchen Zeit, um sich mit Ru&amp;szlig;filtern einzudecken &amp;#8211; und die Bundesregierung, so scheint es, verschafft sie ihnen mit passivem Widerstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So unsichtbar im Alltag ein Ru&amp;szlig;filter sein mag: Am Kampf gegen ihn wird sichtbar, wie strategisch Unternehmen versuchen, politische Entscheidungen in ihrem Sinne zu &amp;auml;ndern. Dabei sto&amp;szlig;en sie oft auf offene Ohren, vor allem bei Abgeordneten im Europaparlament. Denn in Stra&amp;szlig;burg fehlt der Wissenschaftliche Dienst nach Vorbild des Bundestags, der den Abgeordneten zumindest solide Basisinformation liefert. Die meisten EU-Abgeordneten sehen in Lobbyisten denn auch n&amp;uuml;tzliche Gespr&amp;auml;chspartner. &amp;raquo;Ich will meine Freiheit&amp;laquo;, sagt Erika Mann, die seit mehr als zehn Jahren f&amp;uuml;r die SPD im Stra&amp;szlig;burger Parlament sitzt. &amp;raquo;Aber ich will auch kluges Lobbying. Wenn die Unternehmen nicht zu mir kommen w&amp;uuml;rden, ginge ich zu ihnen. Da liegt so viel Wissen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Abgeordnete in den deutschen Parlamenten k&amp;ouml;nnten diese ehrliche &amp;Auml;u&amp;szlig;erung unterschreiben. Zu einer lobbyistischen Beziehung geh&amp;ouml;ren immer zwei &amp;#8211; einer, der sie betreibt, und einer, der sich darauf einl&amp;auml;sst. Blo&amp;szlig; wissen die Volksvertreter und Beamten wohl nicht immer, worauf genau sie sich einlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Cheflobbyist von VW, Reinhold Kopp, lobte einmal die politische Arbeit. Globale Unternehmen arbeiteten mit sauberer Information und nicht mit den alten Mitteln des Lobbyismus: &amp;raquo;Priorit&amp;auml;t der pers&amp;ouml;nlichen Kontakte, Diskretion und Hinterzimmerkommunikation, Vertretung von gesellschaftskritischen Partikularinteressen, unangemessene Incentives f&amp;uuml;r Politiker&amp;laquo;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sind das nicht genau die Elemente, die heute zutage treten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitarbeit: Tina Hildebrandt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Joachim Fritz-Vannahme&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle:&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2005/04/Lobby&quot;&gt;http://www.zeit.de/2005/04/Lobby&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Gobsch (mailto:&amp;#104;&amp;#101;&amp;#108;&amp;#109;&amp;#117;&amp;#116;&amp;#64;&amp;#103;&amp;#111;&amp;#98;&amp;#115;&amp;#99;&amp;#104;&amp;#46;&amp;#100;&amp;#101;)</dc:creator>
    <dc:subject>Lobbyismus</dc:subject>
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